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Elbe-Oder-Tour 2017

Die unverbrauchte Natur mit ihrer heilsamen Stille, ließ mich ...

 

Die Heimat rückt näher

Die unverbrauchte Natur mit ihrer heilsamen Stille, ließ mich die letzte Nacht schnell vergessen. Ich bummelte über einsame Wege, die scheinbar schnurgerade in die Endlosigkeit führten.

 07.06.2017-Elbe-Oder-Tour-2017 800x450_www.luis-steiner.deZur Frühstückszeit erreichte ich das noch verschlafene Dörfchen Wörlitz, mit seinen Eineinhalbtausend Einwohnern. Selten hatte mich ein Ort so tief beeindruckt. Hier überhäuften sich die Fotomotive.
 Als ich Wörlitz über die kleine gewölbte Steinbrücke verließ, musste ich mich noch einmal umdrehen. Der Abschnitt im Biosphärenreservat am Krägengraben entlang, war eine der eindruckvollsten, die ich bisher befahren durfte.
 In Aken, so sagte es mir das Navi, hätte ich wieder die Möglichkeit, die Uferseiten zu wechseln. Mein Weg schlängelte sich durch schattige Laubwälder, gesäumt von historischen Bauwerken. Immer wieder hielt ich an und vertiefte mich in deren Geschichten. Fast etwas widerwillig ließ mich der Wald frei und ich fand mich an einer Weggabelung wieder. Da kein Hinweisschild mir die genaue Richtung zeigen konnte, studierte ich meine Offlinekarte. Da stellte ich mit erstaunen fest, dass sich in 10.06.2017-Elbe-Oder-Tour-2017 800x450_www.luis-steiner.deunmittelbarer Nähe eine kleine Personenfähre befinden müsste. Ich fuhr beide Wege ein Stück weiter, konnte aber nichts finden.
Mir fiel nur ein Fähnlein auf, welches inmitten eines Getreidefeldes hin und her flatterte. Dabei sah ich auf der anderen Uferseite einen Anleger, der zu einer Fähre gehören könnte. Ich drehte noch einmal um und schob mein Rad durch eine hochbewachsene Wiese, die mit nichts auf einen Weg hindeutete. Nur die Fußspuren im Sand gaben den Hinweis auf einen kleinen Fährverkehr. Und dann sah ich die kleine Tafel. Darauf stand, dass man sich mit Armwinken oder Rufen bemerkbar machen sollte, falls man eine Überfahrt wünscht. Und genau das tat ich. Ich pfiff einige Male kräftig. Und tatsächlich wurde man auf der anderen Seite auf mich aufmerksam.
 Ich beobachtete eine Person, die sich auf ein Moped setzte und zum Bootsanleger fuhr. Das muss der Fährmann sein, dachte ich amüsiert. Und kurze Zeit später tuckerte eine kleine Fähre zu mir rüber. Ich schob mein Rad die Uferböschung runter zum Sandstrand, wo mich der Fährmann freundlich auf seinen Kahn hievte.
 Einen festen Preis wollte er nicht sagen. Auf der Ablage von seinem Steuerrad lagen bereits drei Euro, daraufhin legte ich diese Summe daneben. Als ich das Restaurant sah, meldete sich zu Recht mein Magen. Letztendlich hatte ich noch nicht gefrühstückt. Zu meinem Bedauern hatte das Lokal noch geschlossen. Jene Besucher, die sich auf der schönen Terrasse noch die letzten Bissen ihres vermutlich opulenten Frühstücks rein quälten, waren ausschließlich Hotelgäste. So die Auskunft der etwas unfreundlichen Kellnerin.
 Unterwegs kam ich an einem Hofladen vorbei, der neben anderen Produkten auch zwölf verschieden lecker aussehnende Eissorten zum Verkauf anbot.
Schnell entschloss ich mich, die obere Reihe von den insgesamt zwölf Sorten zu probieren. Ich setzte mich auf einen der Baumstämme, die als Bänke dienten, und verschlang die Portion mit Heißhunger. Danach machte ich mich auch noch über die untere Reihe her. Das war Frühstück und Mittag zugleich.
 Der volle Magen machte mich ein wenig träge und ich wusste nicht, wo ich die kommende Nacht verbringen werde. In der nächsten Ortschaft erkundigte ich mich nach einer Unterkunft. Ich musste nach der letzten Nacht wieder ein Bett haben.
 An einer kleinen Informationsbude erfuhr ich, dass in Schönebeck noch ein Zimmer in der Pension Gisela frei wäre. Ich machte mich sofort auf die Socken und eine Stunde später stand ich vor der Pension Gisela.
 Während ich meine Sachen ausgepackt und mich geduscht hatte, servierte Frau Schröder auf der überdachten Terrasse, Kaffee und Kuchen. Ich musste ihr alles haarklein erzählen, von wo ich kam und wie es weitergehen sollte. Dann erzählte sie über die schwierigen Anfänge, nach der Wende eine Pension aufzumachen. 10.06.2017-Elbe-Oder-Tour-2017 800x450_www.luis-steiner.deAm Abend machte ich einen Spaziergang über die Elbbrücke in die Stadt Schönebeck.
 Bei einem Griechen ergatterte ich noch einen freien Platz im Gastgarten. Hier ließ ich den Tag bei deftigem Essen und einem Glas Wein, gemütlich ausklingen.
 Am nächsten Morgen wartete schon der üppig gedeckte Frühstückstisch auf der Terrasse.
Heute konnte ich mir Zeit lassen. Für mich standen circa zwanzig Kilometer bis nach Magdeburg auf dem Plan. Dort werde ich in die Bahn steigen und mich damit nach Wolfsburg fahren lassen. Die Taschen standen transportbereit neben meinem Rad. Mein Zug fuhr erst um halb zwölf von Magdeburg ab. Also brauchte ich mir kein Bein ausreißen.
 Diesmal hatte ich die Tickets per online gebucht, und darauf geachtet, ob das Rad mitgebucht werden konnte. Fehlanzeige. Also musste ich beim Schaffner nachbuchen.
 Ich blieb auf der rechten Elbseite. Unweit von Schönebeck entfernt, besuchte ich in Randau ein Steinzeitdorf.
 Was ich hier interessant fand, dass ehemalige Kirchen als Restaurant oder wie in Rostock, bewohnbar gemacht wurden. Das Restaurant „Die Kirche", befindet sich unmittelbar am Ende vom Kreuzhorst.
 Bald darauf erreichte ich die Außenbezirke von Magdeburg. Eine Brücke, die nur für Fußgänger und Radfahrer gedacht ist, spannte sich über die Alte Elbe, wo sich auch der Magdebuger Wasserfall befindet.11.06.2017-Elbe-Oder-Tour-2017 800x450_www.luis-steiner.de Ich durchquerte den Rothornpark und steuerte auf die Brücke zu, von der man den Dom sehen konnte. Auf der anderen Seite angekommen fuhr ich in die Altstadt, und weil die Zeit schon wieder knapp wurde, weiter zum Bahnhof. Da kam ich auch am Hundertwasser-Haus vorbei.
 Die Bahnfahrt nach Wolfsburg verging rasend schnell. Ich brauchte kein einziges Mal umsteigen. Dafür hatte ich dort erhebliche Probleme, den Anschluss zum Allerradweg zu finden. Ich verzichtete auf weiteres Suchen, und orientierte mich nach dem Campingplatz Tankumersee. Da nämlich verbrachte ich 2014 meine erste Nacht, auf dem langen Weg nach Florenz. Der Allerradweg blieb mir seither in schlechter Erinnerung.
In Gifhorn war ich kurz davor, mich ins nächstbeste Hotel einzuquartieren. Es lag nicht nur an der teils miserablen Wegbeschaffenheit, nein, es musste auch noch anfangen zu regnen.
 Mein Sichtfeld hatte sich mit meiner Laune, auf ein Minimum reduziert. Mit gesenktem Kopf und total beschlagener Brille, den Regen ins Gesicht peitschend, strampelte ich auf offenem Gelände nach einem Unterstand suchend, einer bunten Werbetafel entgegen. Hotel Allerparadies, nach 150 m rechts. Obwohl ich innerhalb kürzester Zeit bis auf die Unterwäsche nass wurde, so stieg meine Laune in dem Augenblick sprunghaft, als ich vom Rad abstieg, die Gaststätte betrat und ein Zimmer angeboten bekam.
 Der Chef persönlich bereitete mir ein warmes Essen zu, da das Personal schon Feierabend machte. Dabei war es gerade mal achtzehn Uhr durch!
Im Zimmer verteilte ich als allererstes meine nassen Klamotten, in der Hoffnung, dass sie bis zum nächsten Morgen wieder trocken sind.
 Beim Frühstück war für mich die Welt noch in Ordnung. In einem kurzen Anflug von Euphorie zog ich es leichtfertig in Erwägung, heute in meinem eigenen Bett schlafen zu können. Bei gutem Wetter und ausgeruht, hätte es für mich, in einem Rutsch nach Bremen zu radeln, kein allzu großes Hindernis dargestellt. Obwohl es immer wieder den Anschein hatte, dass sich die Sonne durchsetzen könnte, so schnell vernichteten dunkle Regenwolken die Hoffnung. Als sich der Himmel immer mehr verdunkelte, verwarf ich diesen Wunschtraum. Die ersten Tropfen ließen nicht lange auf sich warten.
 Ich versuchte, meinen aufkommenden Frust, so gut es ging, mit mehr Tempo in den Griff zu bekommen. Was mir nur teilweise gelang.
An der B3, zwischen Becklingen und Soltau, fiel mir wieder der große Torbogen an der linken Straßenseite auf, an dem ich bereits in früheren Jahren, allerdings immer mit dem Auto, vorbeigefahren war. Der Becklingen War Cemetery ist eine Kriegsgräberstätte, in der überwiegend britische Soldaten ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.
 Warum ich überhaupt von Celle nach Soltau gefahren war, darüber machte ich mir erst hinterher so meine Gedanken. Für diesen kleinen Schlenker verlängerte sich mein Weg um mehr als zwanzig Kilometer. Ich denke, es war die innere Auflehnung, gegen den Allerradweg. Ich fand es völlig in Ordnung, noch eine Übernachtung einzuplanen. Zumal an meinem Körper, kein einziges Kleidungsstück eine trockene Stelle aufzuweisen hatte. Mit den aufmunternden Gedanken von einer heißen Dusche, trockene Sachen und einem Glas Wein, steuerte ich meine nächste und letzte Herberge an.
 Die Wünsche von einer heißen Dusche, trockenen Sachen und sogar ein ruhiges schönes Zimmer, gingen in Erfüllung. Auf das gute Essen, Wein und Restaurant, musste ich wegen geschlossener Küche leider verzichten. Die nette Frau an der Rezeption gab mir einen sehr kuriosen Tipp. „Bestellen Sie sich eine Pizza", und schob mir eine Telefonnummer über die Theke. Ich wusste nicht, ob ich losheulen sollte, entschied mich aber in dieser grotesken Situation, den Humor zu erkennen.
Ich hatte mir in diesem eher noblen Hotel, einen gemütlicheren Abschluss meiner Tour gewünscht.
 Die letzten vierzig Kilometer wollte ich am nächsten Morgen gelassen angehen. Der Vorsatz wurde durch die Vorstellung, bald zuhause zusein, schnell fallen gelassen.

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