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Elbe-Oder-Tour 2017

Als ich die Familie Barth verlassen hatte, stattete ich dem Schloss in Strehla einen ...

 

Wittenberg Lutherstadt, und weiter ...?

Als ich die Familie Barth verlassen hatte, stattete ich dem Schloss in Strehla einen kurzen Besuch ab, da es auf meinem direkten Weg lag. 07.06.2017-Elbe-Oder-Tour-2017 800x450_www.luis-steiner.deIm Park begrüßte mich eine uralte Esche. Ich stieg wegen der von mir gefürchteten Pflasterung vorsichtshalber ab, und schob das Rad durch einen der beiden rundbogenförmigen Torbögen. Im Innenhof blieb ich stehen und blickte auf die beiden hohen Türme, auf denen sich schon einiges an Gewächs mit dem alten Mauerwerk verwurzelt hatte.
 Wieder am Elbradweg angekommen, bildete ich mir ein, leichten Rückenwind zu verspüren. Auf den ersten Kilometern begegnete ich kaum Radfahrer. Bei einer Straußenfarm hielt ich an, um einige Fotos von diesen imposanten Vögeln zu schießen. Einige der Teilstücke ähnelten sehr dem Oderradweg. Ab und zu blieb ich einfach stehen, nur um in die Landschaft zu blicken. Ich beobachtete eine Kuhherde, die auf der anderen Uferseite graste. Eine davon fühlte sich vom Wasser dermaßen angezogen, sodass sie bald bis zum Bauch im Wasser stand. Ich befürchtete schon, dass sie es nicht mehr schaffen würde alleine rauszukommen. Aber zum Glück schien der Untergrund fest genug gewesen zu sein, und sie nach ein paar Minuten, wieder völlig erfrischt mit den anderen genüsslich weiter graste.
 Ein Schild machte mich auf eine Kirche aufmerksam. Es soll die erste Radfahrerkirche in Deutschland sein. Da es für mich kein Umweg war, steuert ich das kleine Dorf Weßnig an der Elbe an.
 Der Inneraum des Gotteshauses machte einen sehr spartanischen Eindruck auf mich. Außer dass eine Fahrradskulptur eine Bank zierte, war nichts, was mich zu einem längeren Aufenthalt bewogen hätte. Ich nahm den Besuch zum willkommenen Anlass, mich im Park niederzulassen und zu erfrischen.
07.06.2017-Elbe-Oder-Tour-2017 800x450_www.luis-steiner.deIn Torgau, erwartete mich neben dem wunderschönen Schloss Hartenfels auch Mahnmale, die den 25.04.1945 beschrieben. An dem Tag stießen in Torgau die aus dem Osten vorrückenden sowjetischen Truppen, auf die Amerikaner. Ich schaute mir die Mahnmale, die in englisch, russisch und deutsch verfasst waren, genau an. Ich habe mir anschließend Hintergrundinformationen aus dem Internet besorgt und verschiedene Berichte darüber gelesen. Es musste eine grausame Tragödie gewesen sein. Scheinbar hat der Mensch es sehr schnell vergessen.
 Noch Kilometer später befasste ich mich mit den Geschehnissen aus der Zeit. Ich blickte auf den Fluss, der sich wie eh und je, stoisch seinen Weg bannte. Ich war froh, dass der Himmel strahlend blau war, denn so konnte ich mich schneller von meinen belastenden Gedanken trennen.
 Mein heutiges Ziel war Wittenberg, aber davon war ich noch knapp siebzig Kilometer entfernt.
Mit einer kleinen Fähre 07.06.2017-Elbe-Oder-Tour-2017 800x450_www.luis-steiner.deüberquerte ich in Dommitzsch die Elbe und fuhr in Prettin am rechten Ufer weiter, elbabwärts. Ich war mir darüber noch nicht im Klaren, ob ich einige Kilometer vor Wittenberg eine Übernachtung einplanen sollte. An einem der vielen Wege, die von der Straße runter zur Elbe führten, schob ich mein Rad zum Ufer, und legte eine Pause ein.
 Es erinnerte mich sofort wieder an damals, auf dem Donauradweg. Ein Flussdampfer stampfte die Elbe hoch. Eigentlich der ideale Platz, eine Nacht hier zu verbringen. Am Horizont sah ich die Spitze vom Dom zu Wittenberg. Ich schätzte die Entfernung auf acht bis zehn Kilometer. Ich legte mich ins Gras und genoss die Stille.
 Zum Trinken hatte ich noch genug, das müsste für eine Nacht reichen. Wann hatte ich das letzte Mal gegessen? Das musste das Frühstück in Strehla gewesen sein. Bis morgen früh werde ich es gewiss aushalten, sagte ich mir. Beim Auspacken der ersten Tasche bemerkte ich eine Glasscherbe im Gras. Bei genauerem Hinsehen fand ich mehrere kaputte Flaschen, Zigarettenkippen und eine noch vor Kurzem benutzte Feuerstelle. Auf die Idee, hier eine Nacht zu verbringen, kamen schon mehrere. Es wäre auch zu schön gewesen. Aber ich hatte keine Lust, mich nachts mit ungebetenen Gästen herumzuschlagen.
Schweren Herzens packte ich wieder meine Sachen zusammen, und fuhr zum Premium Campingplatz Marina in Wittenberg. Diesmal musste ich den großen Fluss über eine riesige Brücke überqueren.
 An der Rezeption bekam ich gegen eine Bescheinigung über fünfzehn Euro Standgebühr außerdem einen Stapel Hochglanzprospekte über den Tresen geschoben. Ein Restaurant oder ähnliches, gab es nicht. Dann hätte ich auch an der Elbe bleiben können, dachte ich bei mir.
 Auf dem mir zugewiesenen Platz, standen schon mehrere Zelte. Ich wählte einen freien Platz, wo ich nur einige Schritte zu den Sanitärräumen hatte. Mein Nachbar war auch mit dem Rad unterwegs und so kamen wir sehr schnell ins Gespräch. Er war beim LKA in Hamburg und bearbeitete Scheinehen von Migranten.
Da auch Peter, so hieß er, einen Happen essen wollte, beschlossen wir, Wittenberg zu besuchen.
 Zur Altstadt ging es über die Elbbrücke. Hier herrschte Volksfeststimmung. Es war der 500. Jahrestag der Reformation. Am 31. Oktober 1517 hat Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Missbrauch des Ablasshandels, 07.06.2017-Elbe-Oder-Tour-2017 800x450_www.luis-steiner.dean die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen. Das wurde hier ausgiebig gefeiert. Ob Kleinkind oder Greis, alle trugen ein Barett auf dem Kopf und hatten sich teils völlig schwarz, aber auch bunt verkleidet. Die Straßen waren üppig geschmückt, und überall blickte man auf das Konterfei Martin Luthers. Spielmannszüge und Gaukler bestimmten die Szene. Ob Getränke oder feste Nahrung, alles bekam den Zusatz, „Martin Luther".
 Wir stellten unsere Räder ab und ließen uns mit der Menschenmenge Richtung Dom treiben. Hier traf sich alles und es herrschte ausgelassene Fröhlichkeit. An einem der mittelalterlichen Stände gönnten wir uns zum Burgunderbraten auch ein kühles Bier. Wir suchten am Dom noch die Tür, wo damals die Thesen angeschlagen worden waren. Natürlich war die alte Tür längst nicht mehr vorhanden und wurde durch eine zweiflügelige Stahlpforte ersetzt.
 Wir schauten uns eine Weile um und fuhren noch vor Einbruch der völligen Dunkelheit zurück zum Camp. Es dauerte keine zwei Stunden, da hatte ich meinen Entschluss, hier zu zelten, bereits bereut. Hundegebell, unkontrolliert geschleuderte Frisbeescheiben und johlende Halbwüchsige, hinderten mich am Einschlafen.
Irgenwie musste ich trotz der Geräuschkulisse eingeschlafen sein. Dann riss mich ein anderes störendes Geräusch aus dem kurzen Tiefschlaf. Es war die Putzkolonne, die um ein Uhr nachts ihre Arbeit in den Sanitärräumen verrichteten. Rücksichtslos wurden Eimer über die Fliesen geschoben und sich dabei in Discolautstärke unterhalten. Auf dem Weg zu ihren Autos stolperten sie über einige der gespannten Zeltschnüre, und fanden das auch noch amüsant.
 Als ich frühmorgens völlig unausgeschlafen aus meinem Zelt kroch um den Sanitärraum aufzusuchen, empfingen mich mit Pizzaschachteln und deren Essensreste überfüllte Mülleimer. Soviel zum "Premium Campingplatz" in Wittenberg.


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